Mittwoch, 21. Oktober 2015
Käfig
Mein Käfig.
Er schützt mich vor der Außenwelt.
Hier bin ich sicher.
Hier kann ich allein sein, wenn ich keine Gesellschaft vertrage.
Hierhin kann ich mich zurückziehen.
Hier ist mir nichts fremd, alles vertraut.
Hier hab ich keine Angst,
hier kann ich einfach ich sein.
Keiner kommt hinein und auch ich komm nicht hinaus.
Hier muss ich nichts tun und muss niemandem gefallen.
Hier muss ich mich nirgendwo einreihen.
Hier bin ich nicht gefährdet, jeder Schaden von Außen prallt hier ab.
In meinem Käfig.

Mein Käfig.
Hält mich in Gefangenschaft.
Wenn ich ausbrechen will, komm ich nicht raus.
Manchmal geht mir hier die Luft aus.
Hier bin ich einsam, hier tu ich mir selber weh.
Hier bin ich mein eigener Richter.
Hier plagen mich meine Gedanken, halten mich wach.
Ich bin hier gefangen in mir selbst.
Hier muss ich jeden Tag kämpfen.
Bald geht mir hier die Kraft aus.
Hier bin ich im Zwiespalt.
Eingeengt und hier rein gezwängt.
In meinen Käfig.

Das Opfer welches ich bringe ist zu groß.
Ich will raus, trotz meiner Angst vor der Weite, der Unwissenheit und Schutzlosigkeit.
Ich will hier raus.
Aus diesem Käfig.



Sag mir, wer
Du
sag mir,
wer das ist.
Wer ist mein Zuhaus?
Und wer fängt mich auf?
Wer ist mein bester Freund?
Wer ist es, der mein Tempo läuft?
Wenn ich stillstehe, wer bewegt mich?
Wenn ich verwirrt bin, wer versteht mich?
Und wenn ich weg will, wer ist's, der mich lässt?
Und wenn ich Halt brauch, wer hält mich dann fest?
Wenn ich nicht weiß wohin, wer zeigt mir den Weg?
Wenn ich nicht weiß, wie, wer zeigt mir, wie's geht?
Wenn ich mich verlier, wer gibt mir, was ich such?
Und wer kann mir sagen, ich bin gut genug?
Wenn ich zweifle, wer steht hinter mir?
Wenn ich weine, wer weint mit mir?
Und wer ist mir unendlich nah?
Wer ist immer für mich da?
Ob ich will oder nicht,
die Antwort ist
immer:
Ich


Sag mir,wer - Julia Engelmann aus Wir können alles sein, Baby



Montag, 19. Oktober 2015
Menschlichkeit
Es braucht Menschen um uns herum .
Ohne andere Menschen hätte man doch gar keinen Grund mehr zum weiterleben?!

Der Mensch lebt nur mit und durch andere Menschen. Sie sind das, was uns am Leben hält.
Nur sie geben uns Gründe weiterzumachen, jeden Tag.

Und wenn einer krank wird, egal auf welche Art, ob körperlich oder seelisch verletzt und dieser nicht mehr in der Lage ist alleine aus diesem Zustand zu kommen bzw. keine Kraft aufbringen kann, sein Schicksal so anzunehmen und sein Dasein weiterhin als kostbar und wertvoll anzusehen, dann braucht es Menschen.

Einfach Menschen die da sind.
Die um ihn herum einen lückenlosen Kreis bilden, damit er, wann immer, in welche Richtung und in welchem Winkel er auch fallen mag, sich sicher sein kann, aufgefangen zu werden.
Es müssen nicht viele sein, aber genug.

Es müssen Menschen sein, die wissen, dass es sich lohnt, weil man das selbe auch für sie tun würde und die vertrauen und denen man vertraut.

Ich denke, das ist das Wichtigste, Wertvollste und Hilfreichste auf dem Weg der Gesundung oder des Annehmens der eigenen Situation, denn mit Sicherheit ist nicht jede Krankheit heilbar. Aber das beste Rezept gegen Depressionen ist wahrscheinlich nicht alleine zu sein.

Vor kurzem zB. habe ich das Buch "zwei Leben" von Samuel Koch gelesen.
Es ist beeindruckend was er schreibt und wie er denkt. Ich habe mich gefragt, wie er es geschafft hat in seiner Situation und seinem Zustand nach dem Unfall nicht durchzudrehen, den Glauben nicht zu verlieren, Hoffnung zu haben, seinen Humor zu behalten, sich freuen zu können auf das was kommt und nicht in Verzweiflung und Resignation zu verweilen.

Und dann wurde es mir klar, dieser Mensch hatte so einen großen Kreis um sich, soviel Unterstützung und Halt, soviel Anteilnahme und Beistand auch von fremden Menschen.
Von sowas können Manche nur träumen. Es freut mich für ihn, dass er so positiv ins Leben blicken kann, trotz seiner Einschränkung, aber es macht mich gleichzeitig traurig, wenn ich drüber nachdenke, dass auch andere das verdient hätten, aber nicht den Halt, die Familie und Freunde dafür haben.

Denn wie soll man seine Selbstzweifel und seine Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit ablegen können, wenn niemand da ist, der dir sagt, dass du was bist?
Aus sich selbst heraus Kraft zu schöpfen ist meines Erachtens eines der schwierigsten Dinge. Wertschätzung, Dazugehörigkeitsgefühl, Zusammenhalt, Zuspruch und anerkennende Worte, selbst bei Rückschritten kann man doch nur von außen bekommen.
Eine stützende Hand im Rücken, das ist doch das Wichtigste was ein Mensch braucht und was jeder Mensch in Krisen und in der Not verdient hat.

Menschen sind unser größter Antrieb.
Hast du diesen Kreis um dich, dann kann dir nicht viel passieren und vielleicht wirst du sogar unverwundbar. Denn in Zeiten von Schmerzen, Angst und Zweifel fällst du weich und du weißt, dass jemand da ist.
Die größten Kraftspender sind die Herzen um uns herum, die bewirken, dass deines wieder heilt.

Vielleicht ist es auch für Viele der Glaube an etwas Größeres und Mächtigeres, an Gott oder an andere Dinge, die uns erhalten, aber ich denke es ist meistens ein Zusammenspiel von beidem, dem Menschlichem und dem Übermenschlichem.

Also zögere nicht und sage den Menschen die dich brauchen, dass du da bist. Und wirft doch mal mit Komplimenten und einem Lächeln um dich. Es kann die Welt doch nur besser machen.



Mittwoch, 14. Oktober 2015
Was nützt mein Herz, wenn deins nicht mitschlägt,mitgeht, mitlebt, mitleidet, mitbebt?